Verbraucherschutz

Warnung vor Gewerbeauskunft-Zentrale

KREIS CUXHAVEN. Achtung, Abo-Falle: Wenn Gewerbetreibende aus dem Cuxland ein Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale im Briefkasten finden, sollten die Alarmglocken schrillen. Das Angebot: Ein Eintrag in ein Internet-Branchenbuch. Was in der Regel kostenfrei als Werbeplattform genutzt werden kann, wird bei dieser Zentrale aber zur dreisten Abzocke. Rechnungen oder Mahnungen über mehrere Hundert Euro gehören zum Standardprogramm. Und wer zahlt, verliert.

Bereits zum zweiten Mal erhält der Gewerbetreibende Schmidt (Name geändert), der ein Gasthaus im Cuxland führt, das Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale aus Düsseldorf. Das Dokument wirkt amtlich und seriös, das Angebot klingt auf den ersten Blick lohnenswert. Wer den Bogen ausgefüllt zurücksendet, erhält eine Empfehlung für sein Unternehmen in dem Branchenbuch Gewerbeauskunft-Zentrale.de. Ein automatischer Routenplaner würde auf der Internetseite ebenfalls integriert werden.

Nachdem Schmidt das Schreiben drei Wochen auf dem Schreibtisch hat liegen lassen, füllt er es aus und schickt es per Fax ab. Faxnummer, E-Mail- und Internetadresse muss er dafür lediglich ergänzen. „Ich hatte gedacht, dass es vielleicht irgendwas mit der Volkszählung zu tun hatte“, sagt er auf NEZ-Nachfrage. „Im Endeffekt waren es dann doch nur ein paar Daten bis zur dreisten Abzocke.“

Denn nach einigen Tagen folgt die böse Überraschung: 569,06 Euro soll Schmidt zahlen. Ein Blick ins Kleingedruckte liefert die Erklärung: Dort ist eine „jährliche Vergütung von 478,20 Euro“ sowie eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren angeführt. Da Schmidt das Schreiben zudem zu spät eingesendet habe, käme noch ein finanzieller Aufschlag hinzu.

Doch wie reagiert ein Gewerbetreibender nun richtig? Ist der Vertrag rechtswirksam, wenn man ihn unterschrieben hat und die versteckten Kosten übersah? Laut Internetseite der Gewerbeauskunft-Zentrale, hinter der die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH steht, gibt es zahlreiche Gerichtsurteile, die die Zahlungspflicht beim Gewerbetreibenden sehen. Das Landgericht Düsseldorf bewertete das Vorgehen der Zentrale im vergangenen Jahr allerdings anders – und kritisierte dieses scharf. Dennoch werden weiterhin die Schreiben in ganz Deutschland verschickt.

Die Verbraucherzentrale ist für eine Beratung der Gewerbetreibenden nicht zuständig, verweist aber an den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW ). Man solle demnach nicht auf die Schreiben antworten. Sollte man doch hereingefallen sein, ist schnellstmöglich ein Einschreiben aufzusetzen, in dem eine Kündigung formuliert ist. Ein Rechtsbeistand hilft bei weiteren Fragen. Ob Rechnung oder Mahnung – Forderungen der Zentrale sollten erstmal in keinem Fall gezahlt werden.

Von Joël Grandke

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