Teil 8: Watt für eine Weite
CUXHAVEN. "Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle..." - Dieses beliebte Kinderlied bezieht sich zwar auf die eher binnenländischen Vogelarten wie Amsel, Drossel, Fink und Star, doch gilt es auch für die Vögel an der Küste. Schließlich ziehen auch sie in ferne Länder - und legen dabei eine beachtliche Wegstrecke zurück.
Den Rekord unter den Langstreckenfliegern hält wohl die Küstenseeschwalbe. Einmal Antarktis hin und zurück entspricht der Umrundung der Erde (knapp 40 000 Kilometer). Zu erkennen ist die Küstenseeschwalbe an ihrer schwarzen Kopfkappe und dem leuchtend roten Schnabel. Den setzt sie nicht nur ein, um kleine Fische zu fangen, sondern greift Feinde damit am Kopf an. Auch Menschen, wenn sie ihrem Brutplatz in einfachen Mulden auf Sand- oder Kiesflächen zu nahe kommen, sind vor der Küstenseeschwalbe nicht sicher. Der rund vierzig Zentimeter große Vogel ist von April bis September an der Nordseeküste zu beobachten.
Im Wattenmeer tummelt sich von März bis Oktober der Säbelschnäbler. Seinen Namen verdankt der Watvogel seinem nach oben gebogenen Schnabel. Den Schlamm des Wattenmeeres durchsiebt er nach kleinen Tieren. Durch Pendelbewegungen seines Kopfes wühlt er diesen auf. In seinem leicht geöffneten Schnabel bleibt die Beute dann hängen. Damit er nicht im Schlamm einsinkt, hat er als einer der wenigen Watvögel Schwimmhäute zwischen den Zehen.
Auch wenn einige Säbelschnäbler in milden Wintern an der Küste bleiben, zieht der Großteil von ihnen ab Oktober gen Süden in Richtung französische, portugiesische und spanische, teilweise sogar noch weiter an die afrikanische Atlantikküste.
Die Nordseeküste ist nicht nur Heimat, sondern auch Durchreisestation für einige Vögel. Den Knutt zum Beispiel. Der im Schnitt 25 Zentimeter kleine Watvogel brütet in Grönland und Kanada und überwintert an afrikanischen und westeuropäischen Küsten. Im Frühjahr und Herbst nutzt er das Wattenmeer als "Tankstelle". Weil er bis zu 5000 Kilometer am Stück zurücklegt, frisst er sich satt und "tankt" damit Energie für den Weiterflug. Von Mitte Juli bis August ziehen riesige Schwärme über die Wattflächen.
Von Tina Soltysiak
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