Strandgut
Seit gut einer Woche gelten sie, die guten Vorsätze für 2010. Weil sie oft den Neujahrstag nicht überleben, starten viele bemitleidenswerte Zeitgenossen mit einem schlechten Gewissen ins neue Jahr. Das muss nicht sein, denn es gibt 50 gute Gründe, nichts zu ändern - gefunden bereits 1999, sorgsam aufgehoben und hier noch einmal zum Ausschneiden für die Brieftasche:
"Ich bin nicht sicher, ob das meinem Chef gefällt.
Das ist viel zu ehrgeizig.
Uns fehlen die Voraussetzungen.
Es ist unrealistisch.
Es ist zu teuer.
Wir geraten damit in die Schusslinie.
Mich hat bisher niemand gefragt.
Wir haben kein Budget dafür.
Mir fehlt die Entscheidungskompetenz.
Dafür ist jemand anders verantwortlich.
Das funktioniert doch nie.
Das ist nicht mein Problem.
Das dauert viel zu lange.
Das ist alles viel zu visionär.
Wir können diese Chance gar nicht nutzen.
Das Tagesgeschäft geht vor.
Es ist zu kompliziert.
Was bringt uns das?
Dafür bekommen wir keine Unterstützung.
Das ist zu radikal
Es ist zu politisch.
Wir haben noch keinen Konsens.
Das widerspricht der Unternehmenslinie.
Wir sind zu vielschichtig organisiert.
So, wie wir es jetzt machen, ist es doch in Ordnung.
Das ist gar nicht zu bewältigen.
Das ist nicht unsere Aufgabe.
Das scheitert an der Bürokratie.
Uns fehlen die Leute.
Das haben wir schon mal ausprobiert.
Das verstößt gegen die Tradition
Darüber müssen wir noch eingehender nachdenken.
Das soll erst mal eine andere Abteilung versuchen.
Auf uns hört ja doch keiner.
Das fällt der Sparpolitik zum Opfer.
Das ist nur eine Modeerscheinung.
Wir haben nicht genügend Zeit.
Wir warten auf eine Richtlinie dafür.
Das können wir nicht.
Uns fehlt ein eindeutiges Mandat.
Für diese Abteilung passt das gar nicht.
Vielleicht funktioniert es, vielleicht auch nicht.
Bergauf läuft das nicht.
So etwas haben wir noch nie getan.
Damit sollten sich zuerst die Fachleute befassen.
Dazu hat keiner den Mut.
Ich bin ja sehr dafür; aber...
Wer will diese Veränderung wirklich?
Am Ende wird wieder nichts passieren.
Es ist hoffnungslos!"
So weit Trost und Lebenshilfe für heute.
Andere Länder, vergleichbare Probleme: Die Schweiz erwartet 2010 eine Gästerückgang um ca. 2,5 Prozent. Dazu, was zu tun sei, fragte die Neue Zürcher Zeitung Jürg Schmid. Der ist Direktor des Schweizer Tourismus, also eine Art gesamt-helvetischer Kurdirektor. Schmid sagte unter anderem, die Schweiz, die als teuer gilt, sei "international ein Premium-Angebot, es wird sich nie über den Preis positionieren können". Da aber "die Leute in Krisenzeiten weniger weit reisen", wolle man Deutschland, Frankreich und Italien noch intensiver bearbeiten, "denn die Realität ist, dass jeder dritte ausländische Gast aus Deutschland kommt".
Zur langfristigen Erneuerung brauche der Schweizer Tourismus "eine zweite Hauptsaison. Heute steht im alpinen Tourismus der Winter im Fokus. Daneben gibt es eine lange Nebensaison, den Sommer. Wir brauchen aber in den Bergen eine starke Sommersaison, auch als langfristige Maßnahme gegen die Klimaerwärmung. Der Sommer ist zentral für die touristische Zukunft der Schweiz."
Der Schweizer Sommertourismus habe ein verstaubtes Image und werde oft mit wandernden Rentnern assoziiert. Ein älteres Publikum sei aber " im Tourismus geradezu ideal. In vielen westlichen Märkten ist es das einzig wachsende Segment, und diese Leute haben Zeit und Geld. Ich wehre mich gegen die Ansicht, dass ein gesunder Tourismus vor allem junge Gäste bedingt."
Abgesehen davon, dass es in Cuxhaven eher umgekehrt ist (wir brauchen hier ja neben einer verlängerten Sommersaison, die mehr bietet als verlängerte Kassierzeiten am Strand, eine richtige Wintersaison), sollten sich einige das mit den älteren Touristen durchaus hinter den Spiegel stecken. Auch über die ungeliebten Tagestouristen lohnt es im Lichte der jüngsten NHC-Statistiken ebenso gründlich nachzudenken wie über die (Dauer-)Camper.
Völlig unabhängig von dem juristischen Umfeld, in dem diese Aussage getätigt wurde, ist die Formulierung des 1. Stadtrates Andreas Otto, er habe, als er 2003 (übrigens auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen OB Helmut Heyne) vom Landkreis zur Stadt wechselte, "eine geschichtlich bedingt merkwürdige Organisation vorgefunden", bemerkenswert. Sein neuer Chef war seit 2000 Hauptverwaltungsbeamter - hätte also schon was ändern können; dessen Vorgänger, Oberstadtdirektor Nis Lindschau, lebt noch in Cuxhaven und ist ein Parteifreund (da war doch was mit der Steigerung von Erzfeind?) und auch die gewählten Kontrolleure der damaligen Verwaltung sitzen zum Teil noch im Rat. Wenn der Satz Otto mal nicht irgendwann wie ein Bumerang an den Kopf knallt - er ist Wahlbeamter und muss noch von diesem Rat ggf. im Amt bestätigt werden.
Von Hans-Christian Winters
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