Scharfe Kritik des Cuxhaven-Tourismus e.V. an Rats-Entscheidung zum Kurbeitrag
"Als Oberbürgermeister Arno Stabbert im Juni die geplante Neuordnung im Tourismus vorstellte, dachten wir Touristiker zunächst wirklich, dass man auf unsere Erfahrung und Mitarbeit Wert legen würde." Daran erinnerten jetzt der Vorstand des Vereins Cuxhaven-Tourismus e.V. mit der Vorsitzenden Heike Eckhardt, stellvertretenden Vorsitzenden André Rupprecht sowie Ehrenvorsitzende Doris Heberling.
In vielen Arbeitssitzungen sei dann ein für alle Seiten tragfähiges Kurtaxkonzept erarbeitet worden, das nach ihrer Einschätzung die angespannte Wettbewerbssituation berücksichtigte, in der sich Cuxhaven befindet und deutliche Einsparungen sowie zusätzliche Einnahmen für die Stadt Cuxhaven vorsah, um die Zielvereinbarung erfüllen zu können.
Jetzt sind die Vermieter und Vermittler im Verein Cuxhaven-Tourismus mit rund einer Million Übernachtungen jährlich "maßlos enttäuscht" über das, was abschließend vom Rat beschlossen worden ist. Sie vermuten, dass die Verwaltung von Anfang an auf ihr fertiges Konzept festgelegt war, was vom Rat der Stadt dann auch weitgehend so beschlossen wurde.
"Unsere gewählten Vertreter haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Entscheidungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu überdenken", bemängelt der Verein Cuxhaven-Tourismus e.V. Und: "Wir Vermieter und Vermittler tragen dieses jetzt beschlossene Konzept ausdrücklich nicht mit."
Die Interessen der Gäste ("unser größtes Gut") hätten bei der Entscheidung durch die Ratsmitgliedern keine Berücksichtigung gefunden. Es sei nicht zu erklären, warum Schwerbehinderte, die überall einen besonderen Schutz genießen, in Cuxhaven während der Nachsaison von Ermäßigungen ausgenommen sind und die Hauptsaison zu einer Zeit beginnt, in der die touristischen Einrichtungen so gut wie noch nicht vorhanden sind. Merkwürdig sei auch, warum man mit fragwürdigen Argumenten auf Geld verzichtet, das doch angeblich so dringend gebraucht wird.
Völlig vergessen haben die Ratsmitglieder nach Einschätzung des Vereins Cuxhaven-Tourismus e.V. bei ihrer Entscheidung den schwierigen touristischen Wettbewerb, in dem sich Cuxhaven befindet: Ganz offensichtlich haben sie nicht ein einziges Mal einen Blick auf die Nachbarn (z.B. Bad Bederkesa, Otterndorf, Dorum oder die anderen Nord- und Ostseebäder) geworfen, um festzustellen, wie man dort mit dem Thema umgeht. "Am Ende werden unsere Gäste die Konsequenzen ziehen und Cuxhaven den Rücken kehren", wird nun befürchtet.
Warum holt man sich nicht dort Rat, wo der Tourismus auch wirtschaftlich gut funktioniert, zumal der finanzielle Erfolg der Stadt Cuxhaven und damit auch der Bürger nahezu vollständig vom Tourismus abhängig ist, stellen die Touristiker fragend in den Raum und geben zu bedenken: "Stirbt hier der Tourismus, stirbt auch die Stadt Cuxhaven."
Die Stadt habe inzwischen einen riesigen Schuldenberg von annähernd 300 Mio. Euro angehäuft. "Ein wesentlicher Teil davon ist auf Fehlentscheidungen städtischer Verantwortlicher zurückzuführen", meint der Verein Cuxhaven-Tourismus und fragt: "Woher nehmen ausgerechnet diese Menschen nur das Selbstvertrauen, hier plötzlich die richtige Entscheidung getroffen zu haben?"
Rahmen sollte zum Erfolg und nicht zum Misserfolg führen
Die Stellung Cuxhavens im Tourismus beruhe nur auf der guten geographischen Lage am Meer und der jahrzehntelangen guten Arbeit sowie der großen privaten Investitionen von Hoteliers und Vermietern. "Wir alle haben mit unseren Betrieben ein hohes finanzielles Risiko, tragen zu einen erheblichen Teil zum wirtschaftlichen Erfolg unserer Stadt bei, sorgen für Arbeitsplätze und hoffentlich weiterhin für Steuereinnahmen", geben die Touristiker zu bedenken: "Daher müssen Rahmenbedingungen für unsere Gäste und für uns geschaffen werden, die zum Erfolg und nicht zum Misserfolg des Tourismus beitragen."
Die Stadt Cuxhaven habe die Kostenschraube zwischenzeitlich derart angezogen, dass schon heute viele von weiteren Investitionen absehen. Die im Tourismusbereich tätigen Menschen hätten große Angst, dass mit den jetzt vorgenommenen Weichenstellungen ein Niedergang der Branche programmiert ist: davon wären dann alle Bürger der Stadt betroffen.
"Nach unserer Auffassung hätte eine angemessene Provisionsbeteiligung alle Vermieter ins Boot geholt, erheblich höhere Einnahmen für die Stadt zur Folge gehabt, die Anzahl "Grauzonen-Vermieter" reduziert und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Vermietern und Stadt gefördert", geben Heike Eckhardt, André Rupprecht und Doris Heberling zu bedenken: "Stattdessen geht man den Weg von Überwachung und droht mit Geldstrafen."
Obwohl jeder wisse, dass die Stadt für jede Leistung, die sie für den Bürger erbringt, Gebühren erhebt (z.B. für das Ausstellen eines Personalausweises), will sie nun die Vermieter zwingen, die Kurtaxe provisionslos für sich einzuziehen. Gleichzeitig erhalte die Cux-Tourismus GmbH weitere Gelder für Leistungen, die sie nicht mehr erbringt und für Personalaufwand, der nicht mehr vorhanden ist. Und: Der Fremdenverkehrsbeitrag wird erhöht, bezahlen müssen die Vermieter.
Mit dem jetzt erfolgten Ratsbeschluss wurde die Chance auf ein harmonisches "Wir"-Gefühl zwischen Bürgern, Touristikern und der Stadt vertan, meint der Verein Cuxhaven-Tourismus e.V. (cn/cew)
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Leserkommentare
Kurtaxe
Auf die spezielllen Anmeldeprobleme bezügl. des Campingplatzes will ich gar nicht erst eingehen - die Bürokratie - sie lebe hoch!
Nun denn, gute Erholung in 2010.

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