Mülltrennung wird hier sehr kreativ gehandhabt
Uwe Lagemann, 2952 Noel Street, United Hills Vill. I Paranaque City, 1713; Metro Manila, Philippines, hatte wieder mit gewaltigen Wetterkapriolen zu tun:
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein hoffentlich friedliches und erfolgreiches Jahr 2010 wünschen allen Freunden, Verwandten, Bekannten sowie allen Lesern der CN Ruth und Uwe Lagemann mit Ann Cathryn. Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu und letzte Woche erreichte mich der Brief meiner heimatlichen Zeitung mit der Bitte, einen Beitrag für die Weihnachtsausgabe beizusteuern.
Nun, 2009 war recht abwechslungsreich für uns. Erstmals haben Ruth und Ann Cathryn Schnee gesehen. Das Weihnachtsfest 2008 bis Anfang Januar verbrachten wir in Europa. Das war für die beiden schon recht kalt. Wir erlebten immerhin minus 17 Grad. Da hat besonders Ruth ganz schön gefroren. Es sind schließlich fast 40 Grad Unterschied zu unseren Tiefsttemperaturen. Ann Cathryn war fasziniert und wollte immer wieder Schnee in den Händen halten.
Am 28. März hatte unser Töchterchen ihre Versetzungsfeier. Sie wurde von Pre-Nursery nach Nursery 1 versetzt. Uns überraschte etwas, wie gut unsere Kleine in der Abschlussprüfung abgeschnitten hat. Sie war als Klassenküken Drittbeste und wurde als aufmerksamste Schülerin ihrer Klasse ausgezeichnet. Hier werden dafür dann Medaillen und in den höheren Klassen auch Zertifikate in einer Awarding-Zeremonie vergeben.
Im Mai waren wir bereits wieder in Cuxhaven. Der Anlass war allerdings ein trauriger, denn wir kamen zur Beisetzung meines Vaters nach Deutschland. Da trafen wir dann viele unserer Bekannten und die Temperaturen waren für meine beiden Tropenpflanzen auch angenehmer.
In den letzten Wochen wurde es hier etwas aufregender. Innerhalb eines Monats erlebten wir zwei schwere Taifune und einen schweren Sturm. Der erste am 26. September war von den Windgeschwindigkeiten her nicht so aufregend. Er brachte es nur auf etwa 90 km/h, aber dafür lieferte er reichlichst Regen!
In etwa sechs Stunden schüttete es das Monatsmittel für September, und es regnete neun Stunden lang! Ruth hatte gegen 11 Uhr in der Firma angerufen und mir mitgeteilt, dass Wasser ins Office drückt und sie die Computer und elektrischen Geräte hochstelle, sowie dass der rückwärtige Garten überflutet sei und das Wasser in den Maidsraum lief.
Die Entwässerung fasste einfach die Wassermassen nicht mehr. Zu dem Zeitpunkt hatten wir in der Firma bereits verschiedene Lecks im Dach. Es war der Höhepunkt des Regens. Als ich um 3.30 das Labor verließ, kehrte ich an dem Guardshaus am Eingang des Bezirks wieder um, da davor schon Fünftonner aus dem Wasser geschoben wurden. Nach zwei weiteren Anläufen habe ich es dann doch gewagt. Das Wasser war etwa 50 bis 60 cm hoch. Glücklicherweise ist mein Wagen eine Straßenversion eines Geländewagens (etwa kleiner Pajero), der ist etwas höher. Aber auf der Hauptstraße lief gar nichts mehr. Nach rechts staute sich der Verkehr total. Dort war das Wasser etwa 1 bis 1,50 Meter tief! Nach links war die Straße auf etwa 300 Meter überflutet. Da habe ich die Guards am Flughafen gefragt, ob ich durch darf und die ließen mich passieren.
Half auch nicht viel. Die nächste Straße nach Hause war von gestauten Fahrzeugen versperrt. Fußgänger erzählten mir, dass das Wasser schultertief sei. O.K., wieder umgedreht und die letzte Alternative versucht. Da war das Wasser etwa einen Meter hoch. Also habe ich an einer Tankstelle an der Ecke dann zwei Stunden gewartet. Mein Tank war auch nur 25 % gefüllt, da wollte ich auf Nummer sicher gehen. Um etwa 8 Uhr kam der Strom wieder und ich konnte tanken. Da war das Wasser an der 3. Route etwa 50 cm gesunken und ich versuchte, nach Hause zu kommen. Nach drei Kilometern mit diversen kleineren und mittleren Überflutungen war Schluss.
Auf dem Cityring ging nichts mehr. Da bin ich umgekehrt und habe bis 1.30 Uhr im Wagen gewartet. Als dann die großen Öltrucks auf der Straße wendeten, bin ich denen gefolgt und durch kleinere Überflutungen ging's nach Hause, wo ich um 2.15 Uhr ankam. 12 Kilometer in 10¾ Stunden, das ist mein persönlicher Rekord! An diesem Tag waren etwa 80 % von Metro Manila überflutet. Ganze Städte und Ortschaften entlang des Languna de Bay Sees standen bis Dachhöhe und mehr unter Wasser. Dort werden zahlreiche Anwohner auch Weihnachten noch Wasser in den Häusern haben, da das Wasser mit etwa 50 cm/Monat sinkt.
Wieder einmal konnte man die Gleichgültigkeit der Behörden und die Folgen der lokalen Art der Mülltrennung (ich brauche das nicht mehr, also trenne ich mich hier und jetzt davon) beobachten. Die Kanalisation war eh zu klein für die Wassermassen und obendrein war sie verstopft, denn viele Straßenkehrer fegen den Dreck einfach in den Gully.
Das ist eben einfacher. Dazu waren viele Bäche und weite Teile der Kanalisation mit Plastikmüll verstopft. Der absolute "Hit" aber war, dass man den Squatters erlaubte, bis an die Sommerwassergrenze am Abfluss des Sees, dem Pasig-River, zu bauen. Dadurch konnte sich das Wasser nur in die Höhe, aber nicht in die Breite ausdehnen. Der Wasserspiegel stieg um mehr als zwei Meter an.
Beim letzten Sturm, am 23.10., kletterte der Pegel wieder um etwa 50 cm an, nachdem er gerade etwa 70 cm gefallen war und viele Häuser, die von ihren Bewohnern gerade gereinigt worden waren, wurden erneut von der braunen Brühe geflutet. Jetzt sollen die illegalen Bauten entlang des Pasig-Rivers abgerissen werden, ebenso die Behausungen auf und vor den Fluttoren. Mal abwarten, wie lange der Eifer anhält.
Nach dem Taifun vor drei Jahren hieß es auch, dass alle nicht gesetzeskonformen Reklametafeln abgerissen werden müssen. Ich glaube eher, dass das Gesetz abgerissen wurde! Insgesamt wurden bei den zwei Taifunen und dem Sturm etwa 1,2 Millionen Menschen obdachlos und etwa 1000 Menschen wurden teils durch Wasser, teils durch Seuchen getötet. Denn in den Gebieten mit länger anhaltender Überschwemmung tritt jetzt Leptospirose auf. Naja, im Pasig-River liegt der Anteil an Koli-Bakterien bei 1,6 Millionen, im San Juan-River nur bei 1,5 Millionen. Der für Fische verträgliche Höchstwert liegt bei 5000!
Inzwischen kamen viele Ungereimtheiten und "Zufälle" ans Licht. So etwa, dass der Katastrophenfonds nicht auffindbar war. Zehn Milliarden Pesos (etwa 150 Mio. Euro) waren "verschwunden"! Ebenso sind nach Angaben einer Senatorin mehr als 60 Milliarden Pesos Kfz-Steuer "unauffindbar". Dieser Betrag war unter anderem für die Verbesserung der Kanalisation gedacht.
Dafür haben aber, nach Angaben der Senatorin, verschiedene Regierungsbedienstete Luxusyachten, High-End-Condominien und Luxusautos und exquisite Grundstücke, auch in Übersee, erworben, sowie ihre Mätressen edelst beschenkt.
Wir werden dieses Weihnachtsfest wieder mit unseren hiesigen Verwandten in unserem Haus in Paranaque verbringen. Bei unseren Temperaturen heißt das kurze Ärmel und Klimaanlage auf 23 Grad gestellt, damit wir nicht zu sehr schwitzen.
Allen Freunden, Verwandten und Bekannten sowie allen Lesern der CN nochmals ein frohes Fest von Familie Lagemann aus Paranaque City
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