Mit Schiebewind über die Nordsee
tas. - Kurz vor der Abreise war die Kombüse Sperrgebiet. Dort bereitete Hermann Lohse das erste Mittagessen für seine Crew vor. Knurrig verteilte der bärtige Vereinschef, Fahrtenleiter und Chef-Smut den Salat auf die Teller. Der Stress der vergangenen Tage war Lohse anzumerken. "Wir müssen seh'n, dass wir loskommen, das Wetter ist günstig", brummelte der Kombüsenchef.
Ein echtes Abenteuer wartete auf Besatzung und Passagiere. Nie zuvor ist das Cuxhavener Traditionsfeuerschiff "Elbe 1" so weit gefahren, noch dazu über die Nordsee und den Englischen Kanal, die nicht unbedingt für angenehme Seereise im Herbst bekannt sind. Schon bei einem normalen Schiff gibt es vor dem Ablegen eine Menge zu bedenken, umso mehr bei einem Museumsschiff vor einem so langen Törn mit einer bunt zusammen gewürfelten Mannschaft.
Am Sonntag gegen 12 Uhr waren die meisten an Bord. Ganz zuletzt - Ruhe und Souveränität ausstrahlend - trudelte die Brückenbesatzung ein, die Kapitäne Charly Behrensen, Klaus Gerber und Dieter Weber, allesamt frühere Fischdampferkapitäne und von den Gästefahrten der vergangenen zwei Jahre bestens vertraut mit den Eigenarten der roten Lady.
In den Kammern herrschte bereits reges Treiben. Die Passagiere richteten sich in den Kammern ein, bezogen die Kojen und machten sich untereinander bekannt. Einer von ihnen ist Reiner Schriefer. Der 65-jährige frühere Bauunternehmer aus Cuxhaven, hatte nicht lange gezögert und sich zu der Reise angemeldet, nachdem er davon in den CN gelesen hatte. Kojennachbar Heiko Amelsberg ist wie Schriefer auch Segler. Aus der Fachpresse erfuhr der 51-jährige aus Motzen an der Weser von der Mitfahrgelegenheit.
Als Maschinist Eckard Steinmetz dann um kurz vor 14 Uhr den Diesel startete und darauf die Leinen von den Pollern im Neuen Fischereihafen flogen, war der Stress der vergangenen Tage mit einem Mal verflogen - die endlosen Planungsrunden, Briefwechsel, die Forderungen der Seeberufsgenossenschaft, die Verhandlungen mit Sponsoren, die Organisation der Crew, die Gespräche mit den Medien, die Einkäufe und finanziellen Kalkulationen. Nach Passieren der Seeschleuse verschwand Cuxhaven bald achteraus im Schraubenwasser - und das Gesicht von Hermann Lohse hellte sich auf.
Beim Bunkerstopp auf Helgoland wurden die Tanks noch mit zollfreiem Sprit betankt. Seit Sonntag Abend steuert die "Bürgermeister O'swald" nun Kurs West, Richtung Englischer Kanal. Vier Tage kalkuliert der Fahrtleiter bis zur Ankunft in Penzance. Ob das zu schaffen ist, hängt vor allem vom Wetter und der Windrichtung ab.
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