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23. Dezember 2009

Krieg und Flucht haben Generationen geprägt

Horst Max Cerni, P. O. Box 223483 Christiansted, VI 00822, USA, E-Mail: horst.cerni@gmail.com, blickt auf ein Jahr der Erinnerungen zurück:

Unser Sohn Paul kam aus dem wintrigen New York und feierte Weihnachten und Neujahr bei uns auf St. Croix, und so konnte er die karibische Sonne und das Meer gleich am ersten Tag im neuen Jahr genießen.

Im Mai besuchte ihn meine Frau Isabel und konnte Muttertag mit den beiden Söhnen Karl und Paul in New York feiern. Im September war ich dann an der Reihe und gemeinsam sahen wir "Die Zauberflöte" in der Metropolitan Oper.

Ich flog dann nach Italien zum 22. Treffen der früheren UNICEF-Kollegen in Viareggio, mit Ausflügen nach Pisa, Lucca, Torre del Lago (wo Giacomo Puccini seine berühmten Opern komponierte) und Carrera. Und von dort ging's nach Berlin, Tangermünde, Hannover, Hamburg und Ahrensburg. Doch im Moment stehen wir noch ganz im Erinnern an das Öffnen des Eisernen Vorhangs in den Ostblockländern und den Fall der Mauer in Berlin vor 20 Jahren.

Wenn man anfängt, Erinnerungen wach zu rufen, so greift man meistens viel weiter zurück. In meinem Fall ist's der Zweite Weltkrieg. Was wäre geschehen, wenn die Attentatsversuche 1939 und 1944 Hitler getötet hätten?

Wie viele Millionen Menschen hätten weder ihr Hab und Gut noch ihr Leben verlieren müssen! Zwei so wichtige Gedenktage, aber sie erhielten wenig Aufmerksamkeit, doch, einen Film - "Walküre".

Aber die Folgen des Krieges sind klar. Was tausende von Flüchtlingen - und wir auch - erleben mussten, ist unwahrscheinlich grausam. Mehrere Bücher erzählen von dieser Zeit des Leidens: "Ostpreußisches Tagebuch" (von Hans Graf von Lehndorff), "Danziger Bucht 1945" (von Egbert Kieser), "Ich blieb in Königsberg" (Lucy Falk), und "Treibgut des Krieges" (Frauenverband im BdV). Jetzt lese ich "Atemschaukel", für den die Autorin Herta Müller den Literatur-Nobelpreis 2009 erhielt. Eine dramatische Geschichte über den Raub der Freiheit und Inhaftierung in Arbeitslagern in der UdSSR.

Und nach den Kriegserfahrungen mussten unsere Geschwister in der DDR weiterhin leiden. Soviel ist in diesen acht Jahrzehnten in Deutschland geschehen, und es ist kompliziert, einfach den Fall der Mauer zu feiern. Trotzdem ist es ein wichtiges Symbol der Freiheit, selbst wenn es manch einem heute vielleicht schlechter geht als damals. Man kann zurückblicken auf "Das Leben der Anderen" (wie so eindrucksvoll in dem gleichnamigen Film gezeigt), doch keiner kann uns heute verbieten, nach einem besseren Leben zu streben.

Ich sah die Reste der Mauer und auch das Holocaust-Mahnmal in Berlin - zwei Stätten der Erinnerung an Deutschlands traurige Geschichte. Und nicht weit davon die Symbole der Erneuerung: der Bundestag und der neue Hauptbahnhof, der Potsdamer Platz und Hackescher Markt - Mischung von Alt und Neu. Ich besuchte meine Nichte Reinhild und Familie in Tangermünde, eine Stunde von Berlin in der früheren DDR, das gerade die Tausendjahrfeier hatte und jetzt das Erntedankfest mit einem Bauernumzug feierte. In einem DDR-Laden (ja, das gibt's noch...) kaufte ich die kleinen Ampelmännchen-Aufkleber und einen Zollstock mit alter Propaganda "Es lebe der 1. Mai - Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse" ( in rot, natürlich). Vielleicht kommt der "Erfolg des Kampfes" dadurch zum Ausdruck, dass nicht weit entfernt jetzt das große Möbelkaufhaus Porta in Stendal steht, das Reinhilds Mann Oliver leitet. Ja, es gibt viel Altes und Neues im Osten!

In Hannover traf ich meine Schwester Ingrid, die extra aus Rheinhausen angereist war, und wir feierten den Geburtstag von Cousine Ilse Dirksen. In Ahrensburg waren dann alle drei Geschwister zusammen - Ingrid, Waltraut und Horst sowie auch Schwager Siegfried, Sohn Michael, Tochter Silke mit Lukas und Elina, wie auch Cousin Karl-Heinz Borowski und Frau Hanni aus Bad Schwartau.

Wir konnten am Ahrensburger Schloss spazieren gehen und auch im Park des benachbarten Schlosses Tremsbüttel, wo wir besonders von dem schönen japanischen Garten begeistert waren. Und wir waren in Hamburg und bewunderten, wie die HafenCity wächst. Die Elb-Philharmonie annonciert schon die ersten NDR-Konzerte im kommenden Jahr und eine kleine ökumenische Kapelle mit dem Namen "Brücke" lädt zur Besinnung ein. Eine Kirche wird bald gebaut.

Trotz des kühlen Wetters herrschte reger Betrieb auf den Landungsbrücken. Meine Freunde Ingrid und Werner Bentz luden mich auch zur Hamburger Staatsoper ein, und wir erlebten Puccinis "Tosca". Es war prima, Erinnerungen unserer gemeinsamen Zeit in Hamburg-Ohlsdorf und einer Reise nach Spanien auszutauschen.

Es ist wunderbar, regelmäßig Freunde wiedersehen zu können, wie z.B. Karl-Heinz Krüger und Jürgen Wilkens in Cuxhaven und Mona und Gerd Rogge in Hamburg. Mona mit Sohn Per und dessen Frau Nadja sowie ihr Bruder Valter aus Dänemark besuchten uns im Februar, und zusammen mit einer dänischen Touristengruppe erforschten sie die Kolonialgeschichte der Insel.

Ende März kamen auch unsere Freunde Irmie und Walter Spieker aus St. Thomas, allerdings etwas ungewollt, denn Walter brauchte eine Herzoperation, die man hier im neuen Cardiac-Zentrum ohne Komplikationen durchführte.

Wir hoffen, dass sie uns im neuen Jahr mal wieder ganz normal besuchen können. Ende April kam auch der spanische Opa - "Yayo" - mit seiner Frau zur Erst-Kommunion von Nadia. Im August besuchten unsere Tochter Anneliese mit Daniel (9 Jahre) und Nadia (8) Freunde in Georgia, und zusammen fuhren sie zum Kennedy Space Center in Florida und zu einer Insel mit wilden Pferden.

Beide Kinder spielen Fußball, und Daniel entwickelt sich zu einem guten Schwimmer. Sie reisen gerne und spielen oft. Im November reiste unser ältester Sohn Karl mit Frau Lorena und Gabriela (4) und Regina (3) zu ihrer Familie auf den Philippinen, wo sie den 90. Geburtstag der Großmutter feierten.

Trotz schlechten Wetters in vielen Teilen der Welt, besonders auch auf den Philippinen, blieben wir auf St. Croix verschont. Wir konnten Bananen, Zuckeräpfel und Pflaumen ernten, und alles wächst und blüht. Wir genießen jeden Tag und freuen uns des Lebens.

Allen Lesern und Angestellten der Cuxhavener Nachrichten wünschen wir Freude an jedem Tag und alles Gute in den Feiertagen und im neuen Jahr. Warme Grüße aus der Karibik von Horst Cerni und Familie.

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