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23. Dezember 2009

Jetzt Hybridtechnik im Auto

Aus der japanischen Hauptstadt Tokyo berichtet Uwe Makino (mak@aqua.ocn.ne.jp):

Es gibt so mancherlei zu erzählen, gleichwohl sollte ich mich kurzfassen, denn die Redaktion der "Cuxhavener Nachrichten" hat mir in diesem Jahr gleich dreimal eine ganze Seite zur Verfügung gestellt. Zunächst also ein paar Sätze zur Familie? Meine Frau Naoko brachte mit einem Bach-Chor die Matthäus-Passion zur Erstaufführung in japanischer Sprache. Hier und da schrieb der Chorleiter dafür sogar die Partitur um. Ihre ehrenamtliche Arbeit bei einem Krisentelefon setzt sie fort, macht diese Arbeit nun aber auch hauptamtlich für eine andere Organisation.

Es geht um Jugendliche als Zielgruppe, u. a. um die Verhütung von Gewaltverbrechen und Suizid. Unseren Söhnen André (fast 16) und Julian (fast 14) ersetzt sie "nebenbei" auch noch die obligatorische Paukschule, ohne die die rigiden Aufnahmeprüfungen an Oberschulen und Universitäten kaum zu schaffen sind.

André besucht seit dem Frühjahr eine gute Schule im Stadtzentrum, er muss früh aufstehen, viel pauken und spielt noch Basketball. Im nächsten Jahr wird er vielleicht ein Auslandsjahr in Deutschland verbringen. Historiker will er werden, Schwerpunkt Japanische Geschichte. Bei Julian dreht sich weiterhin alles um Baseball.

An meiner Universität habe ich neue Studenten, die ich zwei Jahre lang betreuen werde, zwei Klassen à 22. Mittlerweile bin ich länger im Lande als meine Studenten alt sind? Gleich dreimal war ich auf Hokkaido, zweimal zu Forschungszwecken in Sapporo und Asahikawa, einmal "just for fun" im Osten der Insel, wobei Arbeit und Vergnügen freilich kaum zu trennen sind. Mit den Ureinwohnern, den Ainu, befasse ich mich seit einiger Zeit, will die alten Riten und die aktuellen Probleme der Minderheit verstehen lernen.

In Fukushima, zwei Bahnstunden nördlich von Tokyo, war ich im Frühjahr, um in heißen Quellen zu baden und etwas über die Kokeshi-Puppen zu erfahren (die CN berichteten im August). Die größten Veränderungen in unserem Alltag sind jedoch die Solaranlage, die wir seit März auf dem Dach haben, und das neue Hybridauto, das wir im Dezember bekommen werden. Beides wurde durch staatliche Zuschüsse gefördert, das Auto ist zudem von der Kfz-Steuer befreit. Auch das Land Tokyo gab einen Zuschuss zur Solaranlage, und den Verkaufspreis für überschüssigen Strom hat man verdoppelt (und liegt damit immer noch unter dem deutschen Preis!).

Zum Hintergrund: Bei Unterproduktion (nachts sowie bei Regenwetter) kaufen wir, bei Überproduktion verkaufen wir Strom, der sofort wieder eingespeist wird. Im Jahresschnitt kommen wir wohl auf etwa 95 % Selbstversorgung. Diese Zuschusspolitik wurde noch von der alten Regierung eingeleitet, und ich bin gespannt, wie sich die Umweltpolitik der Mannschaft um Hatoyama (Frauen im Kabinett muss man suchen!) entwickeln wird.

Ehrgeizige Ziele wurden ja formuliert. Wir haben übrigens einen Hybridwagen von Honda gewählt, den "Insight". Eine Probefahrt haben wir natürlich auch mit dem Toyota "Prius" gemacht, den man allerdings wegen des Hybridbooms erst im Juni 2010 bekommt!

Einen günstigen Parkplatz in der Nähe fanden wir auch umgehend, für ca. 80 Euro im Monat - statt der 150 Euro am Bahnhof, bis zu 300 Euro berappt man in der Innenstadt von Tokyo! Im Alltag brauchen wir eigentlich kaum ein Auto, aber ich will an den Wochenenden und in den Ferien Touren unternehmen und unabhängig sein.

Man kommt so langsam in das "Wenn nicht jetzt, wann dann?"- Alter, ich bin noch gesund und will noch viel sehen und bald vielleicht auch ein Reisebuch über Hokkaido schreiben. Gesundheit, ein warmes Haus und ausreichend Essen: Man sollte vielleicht täglich ein paar Minuten an diese nicht so selbstverständlichen Grundlagen denken.

Im Sommer wanderte ich mit einer Bekannten und ihrem autistischen und recht anhänglichen Sohn, und ich kam sehr ins Grübeln nach diesen Erfahrungen. Wie sieht der Alltag dieser Mutter aus und wie sieht der kleine Mann die Welt?

Bei herrlichem Herbstwetter leitete ich wieder Wanderungen mit Freunden aus vielen Nationen, was für ein Geschenk!

In diesem Sinne herzliche Grüße aus Tokyo, besonders an die Familien Dohrmann und Twardon. Ob wir im Sommer 2010 mal wieder in Deutschland sind?

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