Helgoland: Verbeugung vor den Widerständlern

HELGOLAND/SAHLENBURG. Ein Wochenende des Gedenkens liegt hinter Helgoland. Stand der Sonnabend ganz im Zeichen der Verlegung von Stolpersteinen in Erinnerung an die Insel-Widerstandsbewegung, wurde der Sonntag als Mahnung gegen den Krieg mit einem buchstäblich bewegenden Gedenkgottesdienst begangen.

Heinz Pester (74) aus Altenburg in Thüringen erlebte auf der Hochseeinsel besonders emotionale Tage. Gerade mal zehn Jahre war er alt, als er und seine drei Geschwister den Vater verloren und die Mutter in schwerer Zeit die Kinder allein durchbringen musste. Sein Vater Hans Pester war einer der Männer der Widerstandsgruppe, die Helgoland kampflos an die Alliierten übergeben wollten. Doch die fünf Mutigen wurden verraten, am 17. April 1945 verhaftet und am 21. April in Cuxhaven-Sahlenburg standrechtlich erschossen.

"Es bedeutet für mich sehr viel, dass gerade an diesem Ort, wo der Widerstand stattfand, eine Würdigung erfolgt," sagte Pester tief berührt. In einer Feierstunde im Rathaus wurde am Sonnabend, also genau 65 Jahre später, das Wirken der Widerständler gewürdigt, deren Pläne die Zerstörung der Insel am 18. April 1945 sowie am 1. April 1947 (die bisher größte nichtnukleare Sprengung "Big Bang") hätten verhindern können, wären sie nicht verraten worden. Ihnen zu Ehren wurden vorher im Beisein ihrer Verwandten so genannte Stolpersteine ins Straßenpflaster verlegt, als bleibendes Zeichen gegen ein menschenverachtendes Unrechtsregime.

Damit ist die Hochseeinsel die 545. Kommune, in der sechs Gedenksteine aus Messing an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Am Sonntag beging die evangelische Kirchengemeinde St. Nicolai einen Wandelgottesdienst, der an verschiedenen Stationen die Auswirkungen des Krieges vor Augen führte. Der Helgoländer Karl-Otto Pählke ging auf die Auswirkungen der Bombardierung am 18. April 1945 ein, als die Zivilbevölkerung im Bunker Todesängste ausstehen musste und anschließend sieben lange Jahre Evakuierungszeit überstand, bis die Helgoländer ab 1952 wieder in die völlig zerstörte Heimat zurückkehren durften.

Insel-Pastor Matthias Dittmar und Pastor Rene Leudesdorff, der als mutiger Student 1950/51 auf der britisch besetzten Insel ein wichtiges öffentliches Zeichen für die Befreiung gesetzt hatte, mahnten vor den Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen. Bürgermeister Frank Botter und Bürgervorsteher Claus Wikidal legten zum Gedenken an die Opfer einen Kranz nieder.

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