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9. Februar 2010

Glaubwürdigkeit ist Claus Cornelius "heilig"

DORUM-NEUGELD. "In dem Moment ist man völlig leer im Kopf." Noch genau erinnert sich Claus Cornelius an den 9. Januar 2009, als kurz nach 14 Uhr in seinem "Friesenhof" das Telefon klingelte. Ein Gast rief an, nicht wegen einer Tisch-Reservierung, sondern mit der Nachricht "das Dach brennt".

Cornelius, dessen väterlicher Wurster Stammbaum Jahrhunderte zurückreicht, wusste: Wenn ein Reetdach brennt, dann brennt das Haus. "Ich hatte genau da mit dem Friesenhof abgeschlossen." Wie sich später herausstellte, hatte Funkenflug aus dem Schornstein das Reetdach entzündet.

Doch so absolut, wie der Hausherr befürchtete als die Feuerwehren mit dem Löschen begann, war das Ende dann doch nicht. Der schnelle Feuerwehreinsatz, die Möglichkeit, Dank Drehleiter aus Langen die Flammen auch von oben zu bekämpfen, und vielleicht auch die Tatsache, dass der "Friesenhof" eigentlich ein "Neubau" mit Betondecken ist, führten dazu, dass der Satz "brannte bis auf die Grundmauern nieder" in diesem Fall nicht geschrieben werden musste.

Dennoch - Dachstuhl und Obergeschosse waren ausgebrannt, der Wasserschaden im Erdgeschoss und Keller immens. Aber das Haus stand und Claus Cornelius wäre nicht Claus Cornelius, wenn er sein Gasthaus aufgegeben hätte. Heute, etwas über ein Jahr nach der Katastrophe, läuft das Restaurant und nichts erinnert an den Großbrand.

Als die Entscheidung gefallen war weiterzumachen, fackelte Cornelius nicht lange. Schon zu Ostern öffnete er ein Provisorium. Mehr aus der Not denn der Vernunft geboren: "Es musste Geld für die laufenden Kosten reinkommen." Seit Herbst gibt es keine Einschränkungen mehr, und die Gäste genießen das einmalige Ambiente.

Das ist so unverwechselbar wie der Chef. In dem Reet gedeckten Fachwerkhaus gibt es mehrere Gasträume, die den Geist vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte ausstrahlen. Alte friesische Kacheln, aus zehn Resthöfen zusammengekauft, Mobiliar, bei dem eigentlich keine zwei Teile wirklich zusammenpassen, alte Bilder, altes Porzellan - "Erlebnisgastronomie" à la Claus Cornelius.

Der bemüht sich, jeden Gast noch an der Tür persönlich zu begrüßen, stets die Tipps parat hat, was die Küche gerade ganz frisch liefert, für einen Plausch, eine Geschichte oder auch ein Gedicht bereitsteht. Der Gast, der sich darauf einlässt, erlebt einen Restaurant-Besuch, von dem er erzählen wird. Das Ziel von Claus Cornelius: "Der Tag im Friesenhof soll ein ganz besonderer Tag sein für den Gast." Mit Ausschlag gebend sind zwei Grundüberzeugungen des Gastronomen: "Jede Stunde ist die schönste. Und jeder Gast ist mein Lieblingsgast."

Dabei ist der Gastronom "von Haus aus" eigentlich Diplom-Verwaltungswirt. Cornelius, tief in Wursten verwurzelt, hatte eine Ausbildung beim Landkreis begonnen, war dort in 28 Jahren als Beamter in den gehobenen Dienst gekommen. Zugleich engagierte er sich politisch, war stellvertretender Dorumer Bürgermeister, Mitglied des Samtgemeinde-Rates. Ein Kreistagsmandat durfte er als Mitarbeiter der Kreisverwaltung nicht antreten.

Der Bruch, rückblickend betrachtet wohl eher eine Weichenstellung, kam Anfang der 80er Jahre. Da kaufte Cornelius zwei alte Häuser im Außenbereich. Sein Ansinnen, diese zu erneuern, führte zu einer Welle von Auseinandersetzungen und Prozessen. An deren Ende hatte Cornelius der Kreisverwaltung und der Politik den Rücken gekehrt. Er konnte aber auch am 3. Juli 1992 seinen "Friesenhof" eröffnen: Einen Reet gedeckten Neubau, in dem zahlreiche Materialien wie Balken und Steine seines Vorläufers verbaut wurden. Heute grenzen unmittelbar an das einst im Außenbereich gelegene Restaurant zahlreiche Ferienhäuser. Mit dem Friesenhof hat Claus Cornelius seine Passion gefunden. Der Politik etwa weint er keine Träne nach: "Das Allerwichtigste neben der Gesundheit ist die Glaubwürdigkeit." Als er die Fragezeichen im Gesicht seines Gegenübers erkennt, ergänzt er: "Die Glaubwürdigkeit vor sich selbst ist viel höher als die vor anderen, sie ist das Heiligste."

Diese Glaubwürdigkeit lebt er seinen Gästen vor, zum Beispiel mit der Speisekarte. Regionale Gerichte, stets frisch zubereitet, nach "Oma Almas" Rezepten. Die Gute ist kein Marketing-Gag. Alma ist eine Oma von Claus Cornelius, und sie erlangte 1952 über Wursten hinaus Berühmtheit. In jenem Jahr erhielt sie auf der Frankfurter Buchmesse für das von ihr in Sütterlin-Schrift gestaltete Kochbuch "Köstlichkeiten aus dem Lande Wursten" vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss eine Goldmedaille. Eines von zwei noch bekannten Büchern ist im Besitz des Enkels und dient der Friesenhof-Küche als Grundlage.

Wer bei einem Besuch in Dorum-Neufeld glaubt, der Chef gerate ins Schwadronieren, der sollte genau hinhören. Claus Cornelius gibt einiges von sich preis, aber meist "verblümt". So lässt er keinen Zweifel daran, weder als Politiker noch als Gastwirt der Sklave anderer Menschen sein zu wollen. Wer sich auf die Gedankengänge einlässt, erfährt wenig später, dass es für Cornelius eine Freude ist, Sklave seiner eigenen Ansprüche zu sein. Und zu denen zählt das schon erwähnte Ziel, dem Gast einen unvergesslichen Tag zu bereiten.

An seinen eigenen unvergesslichen Tag, den 9. Januar 2009, denkt er hingegen nur schaudernd zurück. Abends, so erinnert sich Claus Cornelius, saß er ohne alles bei einem Nachbarn, der ihn aufgenommen hatte: "Keine Unterhose, keine Zahnbürste, keine Medikamente?" Und das stellenweise ausgebrannte Haus, in dem er auch wohnt, unzugänglich versiegelt. Allerdings habe es keinen neuen "Amtssiegelbruch" gegeben, blickt er heute schmunzelnd zurück auf die Jahre vor der Friesenhof-Eröffnung. Die Insider werden wissen um was es geht und mit dem Abstand weiß auch Cornelius, dass er einiges zu forsch, zu direkt angegangen ist. Allerdings: Ohne all das wären Claus Cornelius und der Friesenhof nicht das, was sie heute sind.

Und Claus Cornelius ist sich heute über vieles klar, von dem er vor einem Jahr noch gar nicht wusste, dass er sich darüber klar werden muss. So weiß er genau, dass er von heute auf morgen ohne seinen geliebten "Friesenhof" und dessen Gäste leben könnte, es anderes im Leben gibt. Und er ist sich klar darüber, dass er nicht ohne den "Friesenhof" und seine Gäste leben kann: "Ich hätte das Geld nehmen können, aber ich brauche eine Aufgabe." Wer jetzt glaubt, dass die letzten beiden Sätze ein Widerspruch seien, der irrt - und kennt Claus Cornelius nicht.

Von KAI-CHR. KRIESCHEN


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Claus Cornelius in seinem "Friesenhof": Gut ein Jahr nach dem Großbrand ist für den Wurster die Normalität zurückgekehrt. Foto: Krieschen

Leserkommentare

wollecux, 9. Februar 2010, 14:30 Uhr

Friesenhof

Klasse Bericht der CN. Der Friesenhof hat ihn verdient. Ein super Restaurant und ich hoffe der Friesengeist geistert noch durch das Gemäuer. Einfach mal googeln- Friesengeist Song - Friesenhof Cornelius - Dorum-
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