Ein neuer Stern am Schlepper-Himmel
CUXHAVEN. Am Sonnabendmorgen wurde das Arbeitsschiff der Superlative, der Ankeerziehschlepper "Uranus" bei der Mützelfeldtwerft von Sigrid Albrecht, der Ehefrau eines der beiden künftigen Eigner von der Hamburger Reederei Harms-Bergung in einem feierlichen Akt im Beisein von 360 Gästen getauft.
Dass die Sektflasche beim ersten Anlauf am Bug des 75 Meter langen Schiffes zerplatzte, verspricht Glück für die 24-köpfige Stammbesatzung bei deren anspruchsvollen Aufgaben.
"Uranus" ist ein Spezialist, der einzig für die Verschleppung und metergenaue Positionierung von Bohrinseln gebaut wurde. Dabei kommt es darauf an, die bis zu 500 Tonnen schweren Anker mit Kette aus dem Grund herausbrechen, aufnehmen und neu positionieren zu können. Und das bei einer Wassertiefe von bis zu 2500 Metern.
Das künftige Einsatzgebiet reicht von der Nordsee über den Atlantik bis beispielsweise zur Küste von Brasilien, wo zur Zeit das etwas kleinere Schwesterschiff "Ursus" im Einsatz ist. Die Reichweite dieser Arbeitspferde der Ozeane beträgt dank einer Bunkerkapazität von bis zu 3500 Tonnen Treibstoff mehrere tausend Seemeilen.
"Uranus" ist der bisher größte in der Reihe der acht von der Mützelfeldtwerft gebauten Schlepper "Primus", "Magnus", "Taurus", "Janus", "Ursus", "Pegasus" und "Centaurus". Der neunte, "Orcus", ist auch schon fast fertig. Das fast baugleiche Schwesterschiff zur "Uranus" soll Anfang nächsten Jahres erprobt und abgeliefert werden.
Der Geschäftsführer der Mützelfeldtwerft, Dr. Stephan Pintsch, verschwieg in seinen Grußworten nicht, dass die relativ kleine Cuxhavener Werft mit ihren knapp 100 Mitarbeitern mit den fast vier Schlepperneubauten im zurückliegenden Jahr nicht nur voll ausgelastet, sondern phasenweise überfordert war. Dazu kamen noch Schwierigkeiten mit den zwei Getrieben der "Uranus", die die Leistung von vier Motoren à 4500 kW auf zwei Propeller übertragen.
Deshalb wünsche er sich für das kommende Jahr idealerweise ein bis zwei Neubauaufträge für die Werft. Daneben werde man sich verstärkt auf das Reparaturgeschäft konzentrieren. Derzeit wird ein Arbeitsponton für die Firma Möbius im Dock umgebaut. Auch Aufträge im Bereich Offshore-Windenergie wie zum Beispiel für das Unternehmen BARD seien denkbar, sagte Dr. Pintsch auf Nachfrage. Der Schwerpunkt der Werft solle aber weiter im Schiffbau liegen. "Wir wollen das Schiffbau-Know-how in Cuxhaven sichern und sehen im Moment nicht die Not gänzlich umzuschwenken", so Dr. Pintsch.
Von Thomas Sassen
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