Ein feuerrotes Spielmobil mit Renn-Vergangenheit
Deutlich eher die Regel denn die Ausnahme ist, dass bei "Auto Basse Classic" einige "Exoten" auf vier Rädern zu bestaunen sind. Und wenn dann mal eine Mutter mit ihrem Filius an der Hand zaghaft anfragt, ob der kleine Autonarr mal einen genauen Blick auf die Gefährte werfen darf, dann findet sich immer einer aus der Belegschaft, der sich die Zeit für einen kleinen Rundgang und einige Erläuterungen nimmt. Ein paar Worte mehr werden es dann meist bei einem Rennwagen, der ständig mehr oder weniger auseinandergeschraubt in der Werkstatt steht.
Das heißt - ständig steht er genauso genommen nicht in der Werkstatt. An vielen Wochenenden tritt er - verladen in einen Anhänger - Fahrten zu verschiedenen Rennen an. Es handelt sich nämlich um die vierrädrige Leidenschaft von Wolfgang Basse - einen "Martini Renault" des Baujahres 1977, damals im echten Formel-3-Einsatz gewesen. Dass er heute wieder über Rennstrecken rollt, ist der Motorsport-Begeisterung des Cuxhavener Kfz-Mechaniker-Meisters zu verdanken. Dessen Leidenschaft, das sei ewähnt, nicht ausschließlich den Automobilen gehört.
Den gebürtigen Cuxhavener, Jahrgang 1948, erwischte die Liebe zum Motorsport im Alter von 14 Jahren. Folgerichtig gab es nur einen Berufswunsch: Kfz-Mechaniker. Als 16-Jähriger begann er seine Ausbildung bei der Firma Botzbach. Es folgten später zwölf Jahre bei der Firma Alberg, schließlich der Sprung in die Selbständigkeit. Seit dem 11. August 2008 ist seine Firma "Auto Basse Classic" in der Wilhelm-Heidsiek-Straße, im ehemaligen Tipke-Betrieb, ansässig.
Die freie Werkstatt ist Reparaturbetrieb für alle Fahrzeuge - mit einem Schwerpunkt auf historische Wagen. Ob klassischer Bentley, so genannte Mercedes-Pagode oder SL190: Wolfgang Basse und sein Team können ins Schwärmen kommen über die Fahrzeuge, die ihnen schon untergekommen sind.
Doch zurück zur vierrädrigen Leidenschaft des Chefs, dem Martini-Renault. Als echter Formel-3-Rennwagen des Baujahres 1977 können die nackten technischen Daten heute nicht wirklich überzeugen. 1,8-Liter-Motor, 140 PS - das bieten heute schon Mittelklasse-Limousinen. Dass diese Leistung bei 400 Kilogramm Gewicht für 250 km/h ausreicht zeigt dann doch die Rennsport-Herkunft.
Seit Wolfgang Basse in jungen Jahren vom Motorsport-Virus infiziert war, hat er verschiedene Leidenschaften gepflegt - zum Beispiel Autocross oder Sandbahnrennen. "Mein Traum war immer, einen Einsitzer zu fahren" gesteht Wolfgang Basse schließlich. Ein Traum, der lange einer blieb. Bis ihm eine Anzeige auffiel, in der der Torso eines Martini-Renault angeboten wurde.
Er stand am Nürburgring und diente zuletzt der Firma Sony als Simulator: Platz nehmen und Playstation-Rennen fahren. Wolfgang Basse schlug zu, fand noch einen Original-Motor und baute den Wagen nach den Richtlinien der damaligen Zeit wieder auf. Viereinhalb Monate nach dem Torso-Kauf, zu Pfingsten dieses Jahres, ging der Martini-Renault in Oldenburg wieder an den Start.
Es sind allerdings keine Formel-3-Rennen mehr, denen sich der Cuxhavener Kfz-Mechaniker-Meister und sein Einsitzer stellen. An den Start geht Wolfgang Basse beispielsweise bei "Gleichmäßigkeitsprüfungen" des ADAC. Jeder Teilnehmer absolviert zunächst mehrere Trainingsläufe, aus denen eine Zeit festgelegt wird. Beim anschließenden Rennen muss diese Zeit bei jeder Runde möglichst genau eingehalten werden - Abweichungen geben Strafpunkte. Unterschiedliche Autos aus verschiedenen Epochen können auf diese Art gegeneinander antreten.
So trifft Wolfgang Basse oft auf einen weiteren Cuxhavener: Burkhard Bock. Der 47-Jährige ist Meister bei Puhl und fährt einen Opel "Manta" in Rennsportversion.
Vom 9. bis 11. Juli ging Wolfgang Basse beim "Preis der Stadt Magdeburg" an den Start und belegte den dritten Platz. Beim Schotten-Bergrennen war er am Start, beim Bergrennen Osnabrück. Das kommende Wochenende, 4. und 5. September, sieht Wolfgang Basse nebst Rennwagen beim "9. Hamburg Stadtpark Revival". Die Motorsport-Veranstaltung lässt sich bis in das Jahr 1934 zurückverfolgen. Seit 1999 ist es eine Veranstaltung für Oldtimer, die in Demonstrationsrennen und Gleichmäßigkeitsprüfungen an den Start gehen.
Eine Riesen-Gaudi für Teilnehmer und Zuschauer, die ihre Liebe zum Motorsport gemeinsam ausleben. So wird das Basse-Team dem Chef am Sonnabend per Niedersachsen-Ticket hinterherfahren. Überhaupt der September - Wolfgang Basses Wochenenden sind verplant. In Hildesheim steht ein Start am 11. und 12. September an, es folgen der Sauerland-Bergpreis und am 23. und 24. September das Finale auf dem Nürburgring.
Für den feuerroten Martini-Renault diesmal nicht als Simulator für Spielefreaks sondern auf der Strecke. Wenn Autos eine Seele haben, müsste der Rennwagen an dem Wochenende alles geben. Aber was heißt hier eigentlich "wenn" - für Motorsportbegeisterte gibt es da gar keinen Zweifel.
Von Kai-Chr. Krieschen
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