Drei Fledermäuse als tierische Untermieter
dm. ? Rüdiger, Tutulla und Merlin heißen die tierischen Untermieter von Dr. Micaela Peters in der Fritz-Reuter-Straße. Wer hinter diesen Namen Hund, Katze, Sittich oder Hamster vermutet, irrt gewaltig. Hier geht es um Tiere der Spezies der Microchiroptera, hier geht es um Fledermäuse!
"20 Jahre lang hatte ich mit vielen Tieren zu tun, aber noch nie war eine Fledermaus darunter?, erzählt Dr. Micaela Peters, die von Beruf Tierärztin ist. Das sollte sich ab jenem Sonntag im Oktober 2008 schlagartig ändern. "Ich habe eine Fledermaus gefunden, was soll ich machen??, fragte die Stimme am Telefon und kurz darauf war "der kleine Vampir? bei Frau Dr. Peters zu Hause und wurde Rüdiger genannt. "Rüdiger hatte sich einen Flügel gebrochen und es stellte sich die bange Frage, ob wir einschläfern oder nicht?, erzählt Dr. Peters, wälzte nächtelang Fachliteratur und entschied sich nach einigen Diskussionen zur Amputation. "Alles andere hätte ich nicht übers Herz gebracht.?
Auch wenn Rüdiger den Eingriff prächtig überstanden hat und kurz danach auch wieder seine geliebten Mehlwürmer verputzte ? eines stand fest: wildbahnfähig wird er nie wieder sein!
Kaum war Rüdiger in seinen Winterschlaf gefallen, kam der nächste Anruf: In Groden war eine Fledermaus von einem Marder angegriffen worden und schien zu verenden. Und schon hatte Dr. Peters ihren zweiten Patienten aus der Gruppe der nachtaktiven Säugetiere. Mit Antibiotika wurde das schwer verletzte Tier gegen eine schwere Infektion behandelt, mühevoll aufgepäppelt und ? angelehnt an das Kinderbuch vom Kleinen König Kalle Wirsch ? auf den Namen Tutulla getauft.
Während auch Tutulla nie mehr draußen herumfliegen kann, sieht es bei Merlin anders aus. Er ist nämlich der Dritte im Bunde, der vor wenigen Wochen "eingeliefert? wurde. Die Zwergfledermaus war in einem Atelier im alten Katasteramt aus der Wand gefallen und somit ihres Winterquartiers und Schlafs beraubt worden. Nach drei Tagen hat der Winzling (4,2 Gramm Gewicht) endlich Nahrung aufgenommen und soll nach intensiver Pflege spätestens im April wieder putzmunter durch die Lüfte flattern.
Die "Faszination Fledermaus? teilt Dr. Peters mit ihrem Bekannten Alexander Fehrke, der für die drolligen, fliegenden Wirbeltierchen mit dem seidigen Fell Holzkästen als Behausung baute und einrichtete. Ihr Fressen wie Mehlwürmer oder Maden bekommen sie dreimal am Tag im kleinen Napf gereicht, Flüssigkeit nehmen sie über eine Tiernippeltränke auf.
Während Merlin schnell als Zwergfledermaus identifiziert war, brachte erst ein Besuch von Dr. Hans-Joachim Ropers (NABU-Landesvorstand Niedersachsen) Klarheit darüber, dass Rüdiger ein Kleiner Abendsegler und Tutulla eine Breitflügel-Fledermaus ist. Der Projektleiter vom NABU-Umweltzentrum Cuxhaven möchte die beiden Dauergäste in sein naturkundliches Programm mit einbinden, um besonders Kindern die Angst vor Fledermäusen zu nehmen. Denn auch wenn die Fledermaus ihren Namen einer beschwingten Strauss-Operette verliehen hat, so ist ihre Rolle allgemein recht negativ besetzt.
Das reicht von den Attributen dämonisch und teuflisch bis zur Mär vom blutsaugenden Vampir, den es zwar gibt, aber nur in Südamerika und in einer Größe, die in etwa unseren Mäusen entspricht. "Alles Quatsch?, sagt Dr. Peters, "unsere heimischen Fledermäuse sind harmlose, niedliche Tiere, die Unmengen von Insekten vertilgen.?
Die Tierärztin weist darauf hin, dass Fledermäuse keinesfalls in Privathand gehalten werden dürfen, da sie laut Bundesartenschutzverordnung als vom Aussterben bedroht eingestuft werden und damit besonders geschützt sind. "Allenfalls ist es nach dem Naturschutzgesetz gestattet, verletzte, kranke oder hilflose Tiere aufzunehmen, um sie zu pflegen oder aufzuziehen. Ziel sollte aber immer die Wiederauswilderung sein.? Für Rüdiger und Tutulla wäre dies aber der sichere Tod. Sie werden zeitlebens in menschlicher Obhut bleiben müssen, für die beiden gibt es keinen Weg zurück.
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