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3. Januar 2010

"Der Fluss hat starke Freunde"

KREIS CUXHAVEN. Zum Ausklang des "Jahres der Oste" hat die gemeinnützige Arbeitsgemeinschaft Osteland e.V. eine rundum positive Bilanz gezogen. Am längsten niedersächsischen Nebenfluss der Elbe, der lange im Dornröschenschlaf lag, habe sich 2009 beim Ausbau der touristischen Infrastruktur ein "Sprung nach vorn" ereignet. Die Flussregion sei auf dem besten Wege, sich zum "touristischen Rückgrat" des Elbe-Weser-Dreiecks zu entwickeln, resümierte der ehrenamtliche Koordinator des Festjahres, Vorstandsmitglied Jochen Bölsche (Osten), zur Jahreswende.

Am Beginn und gegen Ende des Festjahres 2009 stand eine Kunstaktion auf dem Programm, bei der Hunderte von bunten Papierschiffen in den Fluss gesetzt wurden. In den zwölf Monaten dazwischen fanden - großenteils organisiert von den mittlerweile mehr als 370 Mitgliedern der AG Osteland - rund 420 Veranstaltungen mit thematischem oder geografischem Oste-Bezug in den Anrainer-Landkreisen Cuxhaven, Stade und Rotenburg/Wümme statt. Zu den wichtigsten Entwicklungen im Festjahr zählt die 2004 gegründete Arbeitsgemeinschaft die Verleihung des Titels "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" an die 100 Jahre alte Schwebefähre Osten-Hemmoor, das Symbol der Flussregion; zuvor hatte die Bundesingenieurkammer diesen Titel deutschlandweit erst dreimal vergeben. Von zukunftsweisender Bedeutung sei auch ein "letter of intent", in dem sich die erstmals in Deutschland zusammengetretene Weltschwebefährenkonferenz im Oktober für die Einbeziehung des Baudenkmals in das Unesco-Weltkulturerbe ausgesprochen hat.

Als "Meilenstein von ökologiegeschichtlicher Bedeutung" bewertet die AG Osteland den erfolgversprechenden experimentellen Erstbesatz der Oste mit dem dort vor Jahrzehnten ausgestorbenen Stör. In enger Kooperation mit der "Arbeitsgemeinschaft Wanderfische Oste", zu der sich unter dem Vorsitz von Wolfgang Schütz (Osten) 32 Sportfischervereine mit 7700 Mitgliedern zusammengeschlossen haben, will die "Lobby für die Oste" das ehrgeizige Vorhaben unterstützen, nach dem Lachs auch den urtümlichen Kaviarfisch wieder in seinem einstigen Lebensraum anzusiedeln.

Begrüßt werden in diesem Zusammenhang auch die Aktivitäten der Gemeinde Oberndorf, die neben dem im Frühjahr 2009 eingeweihten schwimmenden Stördenkmal in diesem Jahr ein "Stör-Infozentrum" einrichten will, sowie der Beschluss der Samtgemeinde Sittensen, den Ostelauf im Bereich der dortigen Wassermühle "wanderfischgerecht" zu gestalten. Für das Wehr in Bremervörde erhofft sich die AG eine Lösung, die gleichermaßen den Anforderungen von Artenschutz, Wassersport, Hochwasserschutz und Landwirtschaft gerecht wird.

Einen bedeutsamen tourismuspolitischen Erfolg sieht die AG Osteland darin, dass sich dank EU-Hilfe ihre Forderung erfüllt hat, nach dem Natureum in Balje (Kreis Stade) auch Oberndorf, Osten und Hechthausen-Klint mit modernen Fahrgastschiff-Anlegern auszustatten. Darüber hinaus ist kurz vor Jahresende auch noch die entscheidende Fördermittelzusage für eine Anlegestelle in Großenwörden (Kreis Stade) erfolgt. Alle neuen und alten Schiffsanleger entlang der Oste, der "Blauen Route" der Deutschen Fährstraße Bremervörde-Kiel, können von der AG Osteland dank einer Großspende der Elbfähre Glückstadt-Wischhafen mit einheitlichen Stationsschildern ausgestattet werden.

Auf gutem Wege sieht die ehrenamtlich tätige Arbeitsgemeinschaft auch die 2008 von ihr konzipierte Verlängerung der "Niedersächsischen Milchstraße" nach Norden. Die Vergabe von Fördermitteln für die Ausschilderung von neuen Routen in der Samtgemeinde Am Dobrock, die Eröffnung des Milchinformationszentrums in der Molkerei Hasenfleet (Gemeinde Oberndorf) im April und der "1. Hasenfleeter Milchtag" im Mai bieten beste Voraussetzungen, an der Oste mit dem "Milchtourismus" ein neues touristisches Segment zu etablieren.

Vor allem aber hat nach Beobachtung der Arbeitsgemeinschaft die Förderung des Fährtourismus Fortschritte gemacht. Die AG Osteland nennt in diesem Zusammenhang den Ostener Fährmarkt und den erstmals veranstalteten "Oste-Fährentag", bei dem die Betreiber in Osten sowie in Brobergen und Gräpel (Kreis Stade) zusammengewirkt haben. Hinzu gekommen sind zwei bedeutsame Neueröffnungen im Raum Hemmoor: In der Infomeile der Welt-Schwebefähren im Ortsteil Basbeck und in der museumsähnlichen "Fähr-Stuv" am Ostener Fährplatz sieht die AG Osteland eine "großartige Bereicherung" der Deutschen Fährstraße, deren fünfjähriges Bestehen im Mai im Hafen Hemmoor-Schwarzenhütten mit einem Shanty-Festival mit acht Chören und mit dem Besuch von Traditionsseglern auf der Oste begangen wurde.

Darüber hinaus seien, so die AG Osteland, entlang der Oste 2009 mehr Qualitätswanderrouten konzipiert beziehungsweise eröffnet worden als je zuvor, unter anderem in Selsingen und Bremervörde sowie in Osten, Oberndorf, Geversdorf, Neuhaus und Belum, wo ein "Historischer Deichwanderweg" entsteht. Einen wichtigen Impuls für den Flusstourismus sieht der Verein auch in dem von ihm im Frühjahr im Bielefelder Verlag herausgegebenen neuen Fährstraßen-Radführer.

Begrüßt wird von der AG Osteland der Trend zu größeren Einheiten in der Tourismusförderung. So sind 2009 mit dem Zusammenschluss der Touristiker aus Hemmoor, Osten und Hechthausen zu einem einzigen Verein die Voraussetzungen für eine gemeinsame Vermarktung wichtiger Attraktionen wie der Schwebefähre, des Kreidesees in Hemmoor und des Ferienparks Geesthof in Hechthausen-Klint geschaffen worden. Bedauerlicherweise seien jedoch die Bemühungen um eine weitergehende Kooperation auch mit dem Raum Kehdingen ins Stocken geraten.

Das "Jahr der Oste" hat der Flussregion nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft zu einer "nie dagewesenen Medienpräsenz" verholfen. So sei die Osteregion Thema Dutzender Funk- und Fernsehsendungen gewesen - von "Stadt gegen Land" über die NDR-"Landpartie" und die NDR-"Sommertour" bis zum Dörfer-Duell "Crazy Competition". Zugleich seien mehr Bücher über die Oste erschienen als je zuvor - darunter die Fährchroniken "Über die Oste" und "Hol över", das Lesebuch "Die Farben der Oste" und der Sammelband "Mord an der Schwebefähre".

Die Bandbreite der kulturellen Veranstaltungen zum Thema Oste reichte vom Marionettentheater über Bläser- und Orgelkonzerte und den Besuch des Hamburger Theaterschiffs bis hin zu einem "Krimi-Gipfel" in Osten und zu einer Reihe von Ausstellungen. Künstler produzierten eine Oste-CD ("Die Klangfarben der Oste"), komponierten mehrere Oste-Lieder und brachten etliche Kalender mit Oste-Motiven heraus. Darüber hinaus kamen Oste-Plakate und -Postkarten auf den Markt, Gastronomen offerieren jetzt Oste-Menüs und Oste-Aquavit, Landfrauen haben ein Rezeptbuch mit Ostelandtorten erarbeitet, und die Obstbauern warben beim ersten norddeutschen Saisonstart im Osteland gemeinsam für die Äpfel vom Fluss.

Mit neuen Veranstaltungsformen haben auch die Sportler aus der Osteregion "Traditionen geschaffen", wie die AG Osteland feststellt: Erstmals wurden am Fluss landkreisübergreifend Volksläufe (Balje-Gräpel), Fußballturniere (in Hollnseth und Oberndorf) und Kanuregatten (ebenfalls in Oberndorf) veranstaltet. Die zum Ostejahr gestifteten Ehrenpreise sind Wanderpokale - um sie soll künftig regelmäßig gerungen werden.

Besonders erfreut zeigt sich die AG Osteland, dass sich auch Schulen - mit Projektwochen unter anderem in Bremervörde, Hemmoor, Oberndorf und Neuhaus - in das Ostejahr eingebracht haben. Am Ende des erfolgreichen Jahres lasse sich feststellen: "Das Wir-Gefühl ist am gesamten Fluss enorm gewachsen." Darauf will der Verein in den kommenden Jahren aufbauen. Der Vorstand um den Hemmoorer Gerhard Tielebörger ist zuversichtlich: "Dieser Fluss hat starke Freunde."

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Einen "Meilenstein von ökologiegeschichtlicher Bedeutung" sieht die AG Osteland in der 2009 getroffenen Entscheidung, die Oste als ersten niedersächsischen Fluss für die Wiederbesiedlung mit dem vor Jahrzehnten ausgerotteten Stör vorzusehen.
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