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19. Juli 2010

Deichbrand war am Start

NORDHOLZ. So sieht es aus, wenn rund 13000 Menschen hüpfen, tanzen und mitsingen - oder wenn man es in Jan Delays Sprache sagt: Raven und abdancen. Der Hamburger Jung war schon im voraus als absoluter Höhepunkt des Festivals betitelt worden. Die Erwartungen der Zuschauer waren hoch, wurden aber am Sonntagabend von Jan Delay und seiner Band Disco No. 1 noch um einiges überboten.

Mit zwei 40-Tonnern ist der Sänger am Sonntagnachmittag angereist. Im Gepäck auch seine eigene riesige LED-Leinwand, die den hinteren Teil der "Firestage" ausleuchtete.

Vom Showfaktor her war dieser Auftritt mit Sicherheit der schillerndste in der noch recht jungen Deichbrand-Geschichte. Gut, die Stimme des 34-Jährigen mag gewöhnungsbedürftig sein. Doch mit einem Mix aus Funk, Swing, Hip Hop und dicken Beats zog er alle in seinen Bann. Eineinhalb Stunden Vollgas auf der Bühne dankte das Publikum mit durchgehenden Ovationen und dem Einlassen auf ganz besondere Tanzeinlagen.

Vom Axel-Schulz-Move über den Arschdreher bis zum Stoptanz. Jan Delay wusste sein Publikum zu begeistern. Und das Publikum begeisterte auch ihn. "Allee, Allee, eine Straße, viele Bäume, ja das ist eine Allee." Mit diesem Lied brachten die Fans in den ersten Reihen vor der Bühne den Hamburger zum Grübeln. Es dauerte ein bisschen, ehe er es herausfand. Dann konterte er jedoch prompt. "Ich kenne nur Aale. Aber wie es der Zufall will, heißt der nächste Song die Allee der Aale."

Jan Delay ist ein Entertainer. Er weiß mit seinem Publikum umzugehen. Er hat Spaß. Und das wichtige ist: Die Zuschauer haben das zu jeder Sekunde gemerkt. Das war am Festivalsonntag nicht immer der Fall.

Eher enttäuschend präsentierten sich die Jungs von Tocotronic. Mit einer müden und lahmen Show sorgten sie eher dafür, dass sich die meisten Besucher schon einmal für den folgenden auftritt von Jan Delay einen Platz vor der großen Bühne sicherten. Dass Sänger Dirk von Lowtzow Spaß auf der Bühne hatte, kann schon sein. Die meisten im Zuschauerraum hatten es jedenfalls nicht. Nur gut, dass am Abend alle über Jan Delay sprachen und die Kritik an dem Auftritt der deutschen Indie-Rocker nur vereinzelt hochkam.

Einen gemütlichen Abschluss des Festivals bildete der Auftritt von Monsters of Liedermaching. Ab kurz vor 0 Uhr wurde das Clubzelt zum letzten Mal an diesem Wochenende zum Kochen gebracht. Freche und witzige Texte mit lockerem Gitarrensound. Eine gelungene Mischung zum Deichbrand-Abschied in diesem Jahr. Zuvor wurden die beiden großen Bühnen bereits ab 12 Uhr abwechselnd bespielt. Le Fly sorgten mit St. Pauli Tanzmusik für den Auftakt am Sonntag. Es folgten The Swindle, The Welcome Dynasty und A Chinese Restaurant, ehe sich ab 15 Uhr der Platz vor den Bühnen nach und nach füllte. Itchy Poopzkid, An Horse und Dúne spielten dennoch für viele Festivalbesucher keine große Rolle an diesem Tag. Erst als die Metal-Raggae-Truppe von Skindred die Bühne betrat, wurde es intensiver auf der Rasenfläche vor der "Waterstage". Ein kollektives Aneinanderrempeln und Mähne schütteln war angesagt. Das ging nach kurzer Pause mit dem kanadischen Garage-Blues-Rocker Danko Jones gnadenlos weiter. Hard Rock vom Feinsten. Und eine ausgelassene Stimmung im Publikum, die nur durch den lahmen Auftritt von Tocotronic kurzzeitig heruntergezogen wurde.   Von Jan Unruh

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