Cuxhavener Karneval ganz ohne Lokalkolorit
CUXHAVEN. Ohne Präsidenten, mit Karnevalisten in Ketten statt Elferrat, Kalauern statt lokalpolitischen Büttenreden und DJs, die auch nach drei Stunden Prunksitzung noch nicht wussten was (nämlich einen Tusch) sie wann in Büttenreden zu platzieren hatten, absolvierte die CuKaGe am Sonnabend ihre Prunksitzung. In der gut besetzten Kurparkhalle kam dennoch karnevalistischer Frohsinn auf.
Als Sitzungspräsident begrüßte Ulli Gebhart die närrische Schar, an ihrer Spitze Bürgermeister Albrecht Harten. Dessen Übergabe des Stadtschlüssels an seine Tollität Prinz Nils I. Fenske und ihre Lieblichkeit Prinzessin Daniela I. Engelhard beinahe in Vergessenheit geraten wäre und in der zweiten Veranstaltungshälfte zwischengeschoben wurde. Gebhart oblag auch die Moderation der Prunksitzung, die ihre Überraschungseffekte vor allem aus den DJs schöpfte, die nicht nur Büttenreden, sondern auch das eine oder andere Mal die Programmfolge mit Stimmungs- und Party-Hits unterbrachen.
Auf gewohnt hohem Niveau waren die Tanzeinlagen geblieben. Einen Jazzdance steuerte die Tanzschule Petra Saavedra bei, bei allem anderen vertraute die CuKaGe auf Sabine Lenz-Breuer. Unter ihrer Ägide schwangen die Mädchen der Kindergarde ihre Beinchen und die der Showtanzruppe wirbelten übers Parkett. Viel Applaus gab es für die von ihr ehrenamtlich betreuten Breakdancer "ATSC C-True".
Vorbei waren am Sonnabend die Zeiten, in denen die CuKaGe-Büttenredner das Cuxhavener Rathaus das Fürchten lehrten. Gleich drei Mal enterte Marlies Heins Bütt und Bühne. Das erste Mal mit Kerstin Lafrenz als "Frau Dümmlich und Frau Dämlich" unter anderem mit folgendem Schenkelklopfer: "Was gibt's Neues?" "Ich glaube, mein Mann betrügt mich!" "Ich glaube, sie haben nicht verstanden. Ich habe gefragt, was gibt's Neues?"
Gegen Ende der Sitzung berichtete sie noch solo davon, wie sie versucht ihren Führerschein zu machen und stand zwischendurch mit Petra Gebhart und Kerstin Lafrenz singend auf der Bühne. Wenigstens optisch aber nicht musikalisch waren die drei Damen "im Auftrag des Herrn" unterwegs. Der ewige Geschlechterkampf - karnevalistisch aufbereitet - war das Thema von Annika und David. Petra Gebhart und Renate Priebe näherten sich diesem Thema aus Sicht altgedienter Ehefrauen: "Das einzige, was bei uns im Schlafzimmer steht, ist der Wecker." Wer glaubt, nur Männer können Zoten, sah sich eines besseren belehrt: "Ich habe mich beim Golf zwischen dem 1. und 2. Loch verletzt." "Oh Gott, da ist ja nicht mal Platz für ein Pflaster!"
Den Abschluss der Prunksitzung bildete das obligatorische Männerballett. Und endlich verzichtete Mann auf mehr oder weniger bemalte Bäuche zwischen schlecht sitzenden Bikini-Oberteilen und Baströckchen. Als Ballerinen und als Nonnen stellten die Tänzer ihr Talent unter Beweis.
Bleibt noch der Auftakt nachzutragen - der offizielle Abschied von Klaus Erlewein. Der war seit 1972 in der CuKaGe aktiv, seit 2002 als Präsident, davor 24 Jahre als Sitzungspräsident. 2009 ist er nun zurückgetreten, sein Amt vakant. Auf der Hauptversammlung im April soll ein Nachfolger gefunden werden. Angekreidet wurde ihm am Sonnabend noch, dass er die Karnevalisten "ins kalte Wasser geworfen", nicht frühzeitig seinen Rücktritt signalisiert habe. Dennoch ist er mittlerweile einstimmig zum Senator gewählt.
Von KAI-CHR. KRIESCHEN
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