Cuxhaven.de spaltet Gemüter
CUXHAVEN. Von "Ein Schritt in die richtige Richtung" bis "Keine gemeinsame Linie" - die Meinungen über den neuen Internet-Auftritt der Stadt Cuxhaven gehen in den Web-Foren auseinander. Viele Internet-Nutzer sehen offenbar Nachbesserungsbedarf: Bei einer Online-Abstimmung von cuxhaven.de geben aktuell rund 55 Prozent der Umfrage-Teilnehmer zu Protokoll, dass ihnen die neue virtuelle Visitenkarte der Stadt "überhaupt nicht" gefalle. Und was meinen die Profis? "Cuxland Digital" hat sich bei Web-Experten umgehört.
Michael Paul, PR-Fachmann aus Lamstedt, findet die dreigliedrige Einstiegsseite (Stadt/Tourismus / Wirtschaft) von cuxhaven.de sehr benutzerfreundlich: "Der Besucher kann auf einen Blick erkennen, welche drei Unterbereiche ihn erwarten beziehungsweise wofür er sich entscheiden kann." Das Einstiegsbild - die vereiste Elbe vor Cuxhaven - gefällt ihm allerdings nicht, "das Foto transportiert im wahrsten Sinne des Wortes eine gewisse emotionale Kälte." Die gewählte Aufnahme ist aus seiner Sicht kein Bild, was einen potenziellen Urlauber dazu bewegen würde, alles stehen und liegen zu lassen, um sofort nach Cuxhaven zu fahren.
Positiv bewertet er das übersichtliche und gut strukturierte Kontaktformular, die Vergrößerungsoption für die Schrift (Stichwort Barrierefreiheit) und die gut platzierte Suchfunktion.
Das "rote x", eingetragenes Markenzeichen der Stadt Cuxhaven, findet er dagegen "optisch nicht sehr schön". Bedauerlich sei auch, dass das gesamte Thema "Social Bookmarks" - "Lesezeichen" für Internet-Gemeinschaften und -dienste - nicht berücksichtigt wurde. Der Internet-Auftritt wirkt seiner Meinung nach "nicht wie aus einem Guss". Paul: "Ganz deutlich merkt man das im Bereich ?Wirtschaft', wo eine völlig andere Corporate Identity gewählt wurde."
Probleme mit dem "roten x" hat auch Tobias Linne (Otterndorf), Grafik- und Web-Designer mit Erfahrungen in der Werbebranche: "Es wurde meines Erachtens zu inflationär eingesetzt, dadurch geht der Hinweischarakter verloren." Weiterer Kritikpunkt: Die gestalterischen Unterschiede zwischen den Bereichen "Stadt" und "Tourismus" seien unnötig und wirkten inkonsequent. "Ich habe den Eindruck, als wurden zwei verschiedene Entwürfe zur Grundlage genommen und man konnte sich nicht entscheiden. Man sollte sich da lieber auf eine Linie einigen", sagt Tobias Linne.
Den Tourismusbereich findet er gelungener, klarer und übersichtlicher. "Auch die Fotos sind hier interessanter und kommen aufgrund des zurückhaltenden Hintergrunds besser zur Geltung. Diese Seiten wirken freundlich, aber dennoch seriös und vor allem zeitgemäß", meint der Werbe-Profi. Trotz aller Kritik fällt sein Gesamturteil versöhnlich aus: "Alles besser als bisher."
Karl-Heinz Brinkmann, Web-Designer aus Osten, findet die neue Web-Präsenz "frisch und übersichtlich gestaltet". Gut gefällt ihm auch die Startseite, wo eine Vorauswahl getroffen werden kann. Als "Kinderkrankheit" bezeichnet er die Browserkompatibilität: "Die Web-Seite wird nicht in allen Browsern gleich angezeigt." So rutsche beim Web-Browser Opera das "rote x" hinter einige Überschriften auf der Startseite, beim Internet-Explorer nicht. Beim Opera werden die drei "Cuxhaven"-Links als Grafik angezeigt, beim Internet-Explorer nicht. Aus Layouter-Sicht gefällt ihm die "Stadtseite" am besten: "Sie ist übersichtlicher und die Links sind nicht so klein wie auf der Tourismus-Seite."
Von Jens-Christian Mangels
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Leserkommentare
Ein Internetauftritt kostet nicht viel....
Vielleicht gemeinsam statt gegeneinander?
ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu, wenn Sie sagen, dass kein noch so schlecht gemachter Werbeauftritt einem Cuxhavengast, der einmal barfuß über das Cuxhavener Watt gelaufen ist, die Freude am Urlaub in Cuxhaven verderben kann. Wenn er, angekommen am Leitdamm oder am großen Priel die Stille, ohne Autogeräusche, oder anderen Umweltlärm, "gehört" hat, höchstens unterbrochen vom Geschrei der Möwen und des Dieseltuckerns eines vorbeifahrenden Containerdampfers, den Kormoranen beim Trocknen ihrer Flügel zugesehen hat, spätestens dann weiß er, dass es kaum einen Ort gibt, an dem man schneller jeden Stress und jeden Lärm vergißt. Wo man nur noch darauf achten muß, dass man sich nicht so sehr von der entspannten Atmosphäre auf dem Watt einfangen läßt, dass man den rechtzeitigen Rückweg, vor dem Einsetzen der Flut, verpasst.
So wäre es doch wünschenswert, wenn auch eventuelle zukünftige Gäste, die dieses Erlebnis bedauernswerter Weise bisher noch nicht hatten, gar nicht wissen was sie damit eigentlich verpassen, die Chance haben über einen gut gemachten Internetauftritt genau das zu "erfahren" was sie nach Cuxhaven locken könnte. Ich habe mal eine Seite "erlebt" auf der beim Öffnen der Homepage das Schlagen der Wellen an den Strand zu hören war. Traumhaft! Es war eine Seite aus Brasilien. Und mir war sofort klar, da möchte ich mal hin!
Dazu dann noch einige schöne Bilder aus dem Watt ... bei Sonnenschein! ... und ein paar Worte die genau das beschreiben was den Gast erwartet, wenn er selbst den Weg auf die trockengefallene Nordsee gefunden hat. Das hätte ich mir gewünscht. Dennoch denke ich, es ist ein Schritt in die richtige Richtung! Mit der Hoffnung verbunden, dass, wenn mehr Gäste nach Cuxhaven kommen, die Einnahmen im Stadtsäckel steigen und einer Erneuerung der Fußgängerzone nicht mehr mit so bedenklichem Gesicht entgegen gesehen werden muss.
Ansonsten ist es für die Macher dieser Seite doch auch eher positiv zu sehen, wenn sie von den Usern, für die die Seite ja schließlich konzipiert wurde, auf noch nicht funktionierende Inhalte hingewiesen wird. Wenn ihnen, den Usern, das nämlich alles so gleichgültig wäre, und die Homepage der Stadt Cuxhaven so uninteressant, würden sie gar nichts dazu sagen. Insofern sehe ich Kritik eher als Möglichkeit an noch bestehenden Unzulänglichkeiten zu arbeiten.
Und wenn bei Hertie abends noch das Licht brennt, ist das ja immerhin schon mal was. Dennoch wünsche ich mir, dass wir nicht darauf warten müssen, dass es in Cuxhaven heißt ... der Letzte macht das Licht aus.
Internetauftritt contra Fussgängerzone
Das Internet ist ein mittlerweile zum verbreiteten, dennoch völlig überschätzten Medium geworden. Kein noch so schön oder schlecht gemachter Webauftritt kann einem Cuxhavengast, der z.B. einmal barfuss durch unser wunderschönes Watt gelaufen ist oder die frische Luft im Wernerwald genossen hat, die Laune am Urlaub hier verderben. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht.
Übrigens: bei Hertie brennt abends noch das Licht ;-) Schon aufgefallen?



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