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20. Februar 2010

Achtung, Großbaustelle im Gehirn

CUXHAVEN. Pubertät - die Zeit, in der unsere Kinder merkwürdig ticken, bewegt nicht nur Eltern, sondern auch andere, die in dieser zukunftsweisenden Zeit mit ihnen zu tun haben: Lehrkräfte, Arbeitgeber, Hilfsinstitutionen, Beratungsstellen. Die jüngste Jugendkonferenz der ARGE war am Donnerstag ganz diesem Thema gewidmet.

Torsten Stoltz, Geschäftsführer der ARGE, konnte zahlreiche Teilnehmer begrüßen und freute sich: "Das zeigt, welchen Stellenwert das Thema Jugendliche im Kreis Cuxhaven hat." Von Landrat Kai-Uwe Bielefeld, Dezernentin Meike Jahns und der Ausschussvorsitzenden Daniela Behrens (MdL) sowie der persönlich anwesenden Vorsitzenden des Sozialausschusses Annette Faße ließ der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Richard Schütt herzlich grüßen. "Wer die Jugend nicht fördert, hat verloren", sagte er. "Wir müssen den Jugendlichen zur Seite stehen."

Die Botschaft an diesem Tage: "Jeder kann etwas." "Wie entdecken wir diese Fähigkeiten, ausgerechnet in der Pubertät?", fragte Stoltz. Antworten darauf, vor allem aber erst einmal Aufklärung über das, was in dieser Zeit der Wandlung geschieht, gab Dr. Herbert Pagels, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Paritätischen in Cuxhaven, in seinem Einführungsreferat. Keine Entwicklungsphase sei so von Unsicherheit gekennzeichnet wie die der Pubertät, erklärte er. Jugendliche müssten eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Zu den Entwicklungszielen zählten die Integration der Sexualität - mit erheblichen körperlichen Veränderungen und der Entdeckung des anderen Geschlechts -, die soziale Integration und das Finden einer beruflichen Identifikation und die Ablösung vom Elternhaus.

Jugendliche müssen herausfinden: "Wer bin ich, wie bin ich, wer möchte ich sein, wie komme ich bei anderen sein?" Das ist Schwerstarbeit. Denn das Gehirn verwandelt sich in der Pubertät in eine Komplett-Baustelle: Verknüpfungen werden aufgelöst und neu hergestellt. "Dieser Umbau dauert ausgerechnet in den Bereichen, in denen zum Beispiel die Impulskontrolle und die Einschätzung von Konsequenzen vor sich gehen, am längsten!", gab Dr. Herbert Pagels zu bedenken. Die Umgestaltung dieses Bereichs dauert nach jüngsten Forschungen bis über das 20. Lebensjahr hinaus.

In den Gehirnregionen, in denen der stärkste "Verkehr" stattfinde, würden regelrechte Bahnen angelegt - allerdings auch durch Medien und Computerspiele, wenn diese im Übermaß gespielt würden. Bleibt natürlich, simpel gesagt, weniger Platz für andere Inhalte. Phänomene wie das Austesten von Grenzen seien ganz normal, beruhigte der Fachmann. Bei rund 80 % der Jugendlichen verlaufe die Pubertät im Großen und Ganzen denn doch weit gehend problemlos.

Wie aber denen helfen, bei denen es nicht so leicht geht? "Es lohnt sich, nicht aufzugeben", so Dr. Pagels. Die Wissenschaft setze ganz stark auf Stärkung der Fähigkeiten und schlummernde Qualitäten. "Wir sollen nicht ,schleimen?, aber klare, selbstwertachtende Botschaften aussenden und den Jugendlichen angemessene Aufgaben übertragen. Die Botschaft sollte sein: ,Wir geben nicht auf, wir sind immer mit Dir?."

Maren Reese-Winne

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Auf einem "Marktplatz" präsentierten sich Institutionen, die Jugendlichen im Cuxland Hilfen anbieten ? hier das BNVHS mit seiner Metallsparte.
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