108 Beschäftigte bei Ambau

CUXVAVEN. Das Cuxhavener Werk der Ambau GmbH Stahl und Anlagenbau hat einen erfolgreichen Start hingelegt. 80 Prozent aller Türme für die großen Offshore-Anlagen der 5- MW-Klasse liefern inzwischen die Cuxhavener Turmbauer.

Den Cuxhavener Standort mit direktem Zugang zum tiefen Wasser der Elbe hält der geschäftsführende Gesellschafter Joachim Görlitz für bestens geeignet die Marktführerschaft weiter auszubauen. Das erklärte er kürzlich in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Geplant ist sogar ein zweites Werk in Cuxhaven, in dem auch Fundamentstrukturen wie Monopiles und Jacket-Konstruktionen gefertigt werden sollen.

Wann die Erweiterung auf der bereits gesicherten Fläche östlich der Firma CSC kommt, ist abhängig von der Nachfrage in der Offshore-Branche, die derzeit nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise und der Praxisprobleme ein wenig zögerlicher verläuft als ursprünglich erhofft.

Dennoch: Beim Mittelständler Ambau stehen alle Zeichen auf Wachstum. Insgesamt beschäftigt das Werk an mehreren Standorten insgesamt rund 700 Mitarbeiter. Zu Kritik insbesondere aus Kreisen der IG Metall führte jüngst die Tatsache, dass von den 108 Beschäftigten im Werk Cuxhaven rund die Hälfte als Leiharbeitnehmer beschäftigt sind. Außerdem hatte die Werksleitung laut Medienberichten die Bildung eines Betriebsrates behindert.

Dagegen verwahren sich Görlitz und Werksleiter Thomas Brückner. Grundsätzlich würden Leiharbeitnehmer im Betrieb nicht als Mitarbeiter zweiter Klasse behandelt. Im Gegenteil, so Görlitz. Entlohnung und alle anderen Leistungen seien nahezu identisch mit denen der Stammbelegschaft von Ambau. Der größte Teil der Mitarbeiter komme aus der eigenen, bereits 1995 gegründeten Personalservice-Agentur, man arbeite aber auch mit anderen Agenturen zusammen. Alle Leiharbeitnehmer seien dort fest angestellt, würden "ordentlich" bezahlt.

Als Zeichen für die Arbeitszufriedenheit dieser Arbeitnehmer wertete Joachim Görlitz, dass die Fluktuation seit 10 Jahren nur bei etwa einem Prozent liege. Die Leiharbeit habe für den Mittelständler den großen Vorteil, dass das Personal im Falle einer vorübergehenden Auftragsflaute auch in anderen Betrieben eingesetzt werden könne.

Dieses Prinzip sichere langfristig Arbeitsplätze im Unternehmen und sichere auch langfristig gute Arbeitsbedingungen und guten Verdienst für alle Mitarbeiter. Schließlich entscheide am Ende allein der Kunde mit seiner Kaufentscheidung über die Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter, so die Philosophie des erfolgreichen Unternehmers.

Seine Zielvorgabe lautet deshalb: In 10 Jahren müssen wir 30 Prozent kostengünstiger produzieren, um gegen die Konkurrenz aus dem nahen und fernen Osten bestehen zu können. Qualität und Termintreue seien die anderen beiden wesentlichen Faktoren für den Erfolg.In dieses "Weltbild" passt die Gründung eines Betriebsrates natürlich nicht, weshalb sich Görlitz und Brückner schwer tun, zu akzeptieren, dass das Gesetz der Gewerkschaft IG Metall erlaubt, die Gründung von Betriebsräten in den Betrieben zu unterstützen. Um den Angriff auf die "Selbstbestimmung im Betrieb" abzuwehren haben sie sich deshalb zähneknirschend an die Spitze der Bewegung gesetzt und selbst für die Aufstellung eines Wahlvorstandes gesorgt. "Das können wird selbst, dafür brauchen wir die Gewerkschaft nicht", bemerkt Werksleiter Brückner dazu, der bereits vom ehemaligen Bremer-Vulkan übernommenen Betrieb in Bremen Erfahrungen mit einem Betriebsrat hat.

Görlitz ist der typische Selfmademan, ein Unternehmer, der zusammen mit seinem Vater nach der Wende 1993 einen kleinen Stahlbaubetrieb in der Nähe von Berlin übernommen hat und aus der Keimzelle mit damals 35 Mitarbeitern inzwischen ein ansehnliches Unternehmen aufgebaut hat. Bei der Messe Husum Wind im Jahre 2001 erkannte Görlitz den Wachstumsmarkt der Windenergiebranche und setzte fortan konsequent auf diese Karte. Mit Erfolg.

Trotz positiver Rahmenbedingungen insbesondere in Cuxhaven ist Görlitz aber besorgt, dass die großen Energiekonzerne in jüngster Zeit aufgrund besserer Förderbedingungen verstärkt dem Aufbau von Windparks vor den Küsten Großbritanniens widmen. Ab 2013/2014 wird dort der große Boom einsetzen, prognostiziert Görlitz. Die Perspektiven für das Werk in Cuxhaven schätzt er gleichwohl als sehr positiv ein. Nicht zuletzt aufgrund der optimalen Rahmenbedingungen durch die Verladung der Turmsegmente dank des neuen Offshore-Terminals Liegeplatz acht und der Hafenanlagen von Cuxport. Schließlich wird auch heute schon ein großer Teil der Türme für den Export ins Ausland produziert. Da braucht Ambau günstige Hafenanbindungen, ebenso für die Zuführung der Stahlplatten aus denen die Türme in den Cuxhavener Hallen gefertigt werden.

Um die Außendarstellung und das Marketing des wachsenden Unternehmens zu verbessern, hat Geschäftsführer Joachim Görlitz kürzlich Kai Simon eingestellt, der von der Ambau GmbH Bremen die Öffentlichkeitsarbeit für die gesamte Ambau-Gruppe im Zukunft leiten wird.

Von Thomas Sassen

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